Mir
schenkte Christ aus seines Herzens Becher
Des ewigen
Lebens Wein zu süßer Labe,
Stillend
der Seele Durst, und sprach: Ich habe
Mit
deiner Not Erbarmen, armer Schächer!
Einschlürft’
ich da den rechten Sorgenbrecher;
Wie
auferstanden bin ich aus dem Grabe
Und
fühle Kraft und hohe Rednergabe,
Vom
Rausch des Himmels ein beseelter Zecher.
Nun
dämmert auch die Nacht in mir; die Tiefe
Durchklingt’s
wie Ostergruß der Morgensterne;
Mir
ist, als ob der Herr ans Werk mich riefe.
Auch
seh’ ich golden in der Zukunft Ferne
Ein
Gotteshaus, von Künstlern neugegründet,
Drin
Dichtermund den Heiland neu verkündet.
Und bis dir nicht ein schönes
Werk gelungen,
Verborgen sollst du dich im
Dunkel halten,
Zum Höchsten strebend voll den
Geist entfalten,
Von Eitelkeit und Ehrgier
unbezwungen.
Getrost, auch du hast einmal
ausgerungen,
Zum Trotze hundert feindlichen
Gewalten;
Erscheinen endlich werden die
Gestalten
Des Innern, zur Vollendung
durchgedrungen.
Nicht immer strahlt schon in
der Morgenfrühe
Der Sonne Kraft durch schwere
Wolkenschichten,
Oft siegt sie spät erst und
nach vieler Mühe.
Oft schien es auch, wir
sollten ganz verzichten
Auf ihren Glanz; da bricht sie
durch und sendet
Ein Lichtmeer nieder – und wir
stehn geblendet.
Der Wahn, dein Freund,
entartete zum Diebe:
Derweil du träumtest, stahl er
dir die Krone.
Dann stieß dich Staatswohl
ehrfurchtsvoll vom Throne;
Und half dir nichts des Volks
ohnmächt’ge Liebe.
Empört aufbäumten sich des
Herrschers Triebe
Zum tetztenmal im armen
Erdensohne:
Er sieht, ihm droht unwürd’gen
Lebens Frone –
Da wußt’ er, was dem König
übrig bliebe:
Zu sterben! – Und mit
unbeugsamem Willen
Beugst du das Haupt und tauschst
es in die Wogen,
Den Durst der Majestät im Tod
zu stillen.
Ob Schuld, ob Schicksal dich
hinabgezogen?
Wer löste je die alte
Rätselfrage! –
Die Thräne rinnt; der Dank
wird Totenklage.
Die Luft erbrauste, wilde
Rosse schnoben,
Laut rasselnd klirrten Panzer,
Speer’ und Schilde,
Walküren sprengen auf das
Schlachtgefilde
Des Lebens, mitten in des
Kampfes Toben.
Ein Schlag aufs Herz, und, auf
ihr Roß gehoben,
Den Sänger Siegfrieds wiegt im
Arm Brunhilde,
Hell auf vor Freude jauchzend
lacht die Wilde;
Und weitersausend lenkt der
Zug nach oben.
Erstrahlend auf Walhallas
Thore fliegen,
Entgegen jubelt Siegfried
seinem Meister:
Willkommen uns, geliebter
Sangesrecke!
Sollst nicht bei Zwergen deine
Kraft verliegen;
Hier ist dein Platz! Dir
lauschen Heldengeister,
Wenn deinem Tönen bebt des
Himmels Decke.
Wähl dir des Glaubens heilige
Symbole!
Laß sie durchwehn des Herzens
Flammenhauche,
Und schalt und walte frei nach
Dichterbrauche!
Es zeugt für mich, und euch
gereicht’s zum Wohle.
Auch prüfend aus den heil’gen
Büchern hole,
Wenn du dein Innerstes willst
offenbaren,
Was sie dem Dichter Köstliches
bewahren!
Es zeugt für mich, und euch
gereichts zum Wohle.
So aber sich der Ruf der
Zionswächter
Erhebt, den Tempel thätest du
entweihen:
Schweig – und in Gottes Namen
laß sie schreien!
Und wenn auch noch des
Himmelreichs Verächter
Der Weisheit Stimme gegen dich
erheben:
Schweig – und im Weinberg
pflanz mir neue Reben!
Wir stürzen oft in wilden
Heereswogen
Hinab mit Roß und Reiter,
Speer und Schilde
Uns von der Alpen Höhn auf
dein Gefilde,
Tod und Verderben wälzend, wo
wir zogen.
Schon manch Jahrhundert ist
seitdem verflogen;
Längst schlägt das Herz in
unserm Busen milde,
Gerührt von deiner Schönheit
Götterbilde,
Beseligt unter deinem
Himmelsbogen.
Nun pilgern wir, die alte
Schuld zu büßen,
Zu deinen Städten, Kirchen und
Madonnen,
Und liegen fromm der heil’gen
Kunst zu Füßen.
Durch einen Trank aus ihrem
Wunderbronnen
Den bittern Kelch des Todes zu
versüßen,
Dünkt uns die höchste aller
Lebenswonnen.
Was soll, o Herz, dein wunderliches
Schlagen?
Nun leis’ und langsam, nun so
rasch und mächtig;
Nun stockt es ganz. Mein Herz,
das ist verdächtig!
du willst mir wohl ein
Sterbenswörtchen sagen?
Ich hör’ es gern und werde gar
nicht klagen.
Ein solcher Tod wär’ über
alles prächtig!
Doch träf’ er gar mich
schlafend mitternächtig,
Von meinem Glücke soll man
rühmend sagen!
Denn schmerzlos wäre plötzlich
mir beschieden,
Wonach ich schmerzvoll lang
gerungen habe:
Das höchste Gut des Menschen,
Gottesfrieden.
Nur schade, daß Glückseligkeit
im Grabe
Nicht kann genossen werden mit
Bewußtsein!
Das eben sollte mir die größte
Lust sein.
Herz, weide dich an diesem
Prachtgeschlechte!
Von Poesie wie schimmern die
Gestalten!
Und wie sie Wunderkraft aus sich
entfalten,
Geboren mit des Genius
Herrscherrechte!
Doch um die Macht in ewigem
Gefechte,
Verstehn sie nicht, das
heil’ge Maß zu halten
Und lassen frei des Busens
Dämon schalten.
So sind sie bald des Unrechts
böse Knechte.
Das treibt zum Untergang mit
Sturmeseile.
Geschlecht häuft auf
Geschlecht der Schuld Gewichte.
Das Schicksal, wütend,
schleudert Donnerkeile.
Da sühnt ein Jünglingshaupt im
Morgenlichte
Schuldlos der Väter unterm
Beile –
Und schließt ein Trauerspiel
der Weltgeschichte.
O Herz, mein Herz, was machst
du mir für Plage!
Wie quälst du mich auf
martervolle Weise!
Raubst Schlaf und Ruh’,
verleidest Trank und Speise –
Wie leb’ ich! Welche Nächte,
welche Tage!
Und um Gescheh’nes, ach! was
hilft die Klage?
Vergebens zieh’n die Thränen
feuchte Gleise,
Dreh’n die Gedanken sich im
gleichen Kreise –
Auf, Herz, mein Herz, ermanne
dich, entsage!
Ist’s denn so schwer, ein
Traumglück zu vergessen?
Vom Jugendwahn sich männlich
loszuringen?
Und zu verlieren, was du kaum
besessen?
Es muß geschehn, mein Herz, du
mußt entsagen! –
Sonst mag ein Blitz erbarmend
mich erschlagen;
Sonst mag ein Abgrund gnädig
mich verschlingen!
Willkür – du bist die
schlimmste der Sirenen,
Die ach! so süß von Freiheit
singt. Verloren
Im Meer des Irrtums, scheitern
ewig Thoren,
Wo leichenvoll sich deine
Klippen dehnen.
Wie leicht in uns erweckst du
Liebessehnen!
Der Hang zur Willkür ist uns
eingeboren.
Wer hört dich singen und
verstopft die Ohren?
Wer thut es nach dem Klügsten
der Hellenen?
Die Herrscher ihrer Seele
sind: Die Weisen!
Die lenken still und sicher
durch die Wogen,
Wie die Gestirne durch den
Äther kreisen.
Geschrieben stehet nachts am
Himmelsbogen
Mit Sternenschrift, uns
ewiglich zu mahnen:
Die Freiheit wandelt des
Gesetzes Bahnen.
Krank lag ich hoffnungslos,
ich war verloren.
Da fühlt’ ich leise mir die
Hand berühren
Und hört’: Steh auf, mein
Sohn, ich will dich führen,
Der Fürst des Lebens, aus des
Todes Thoren!
Da stand ich auf und wurde
neugeboren:
Dankstammelnd fiel ich zu des
Heilands Füßen,
Als meinen Retter selig ihn zu
grüßen;
Und hab’ mich ihm auf ewig
zugeschworen.
Nun muß ich seiner Liebe Macht
verkünden,
Sie dringt mich sehr und fordert
neue Lieder,
Für ihn erlosch’ne Herzen
anzuzünden.
Mir ahnt, es kömmt ein
Menschenfrühling wieder;
Ich hör’ es in den Lüften
seltsam brausen,
Und durch die Seele wandelt
süßes Grausen.
Die Einen wollen uns mit Dogmen
binden,
Das Denken an des Glaubens
Kette schmieden,
Sie möchten gern verbrennen,
braten, sieden
Wie ehemals, wenn sie nicht
uns willig finden.
Die Andern ließen Gott und
Geist verschwinden
In Wissensdunst, und haben
selbstzufrieden
Für Stoff und Kraft im
Urschlamm sich entschieden.
Wer anders denkt, zählt zu den
ewg Blinden.
Lebt wohl ihr alten und ihr
neuen Pfaffen!
Vergebens lockt ihr mich an
eure Seite:
Von euch mit keinem hab’ ich
was zu schaffen!
Doch hemmt ihr mich und rufet
ihr zum Streite,
Wohlan, ich bin in guter Wehr
und Waffen,
Und schirmend gibt mein Engel
mir Geleite!
Der Knabe saß in Saales
Dämmerhelle,
Von Menschen voll, verwundert
eine Stunde
Zuschauend Bildern, die im
Nebelgrunde
Auftauchten, glänzten und
verschwanden schnelle.
Nun sieht der Jüngling auf der
Zeitenwelle
Die irdischen Phantome eine
Stunde
Gestaltet schweben überm
Todesschlunde,
Versinken, neue blinken auf
der Welle.
Auch jetzt, wie einst der
Knabe, möcht’ ich fragen,
Wie sich das Wunderbare
zugetragen?
Und lächle doch und weiß, es
ist vergebens!
Hier kann der Weiseste nichts
Kluges sagen.
Stets unergründlich bleibt das
Meer des Lebens
Und spottet schweigend
menschlichen Bestrebens.
Der Winter hat unendlich lang
gedauert!
Der Seele Himmel wollt’ sich
nicht erhellen,
Gefroren starrten des Gefühles
Wellen,
Der Geist saß wie im Kerker
eingemauert.
Nun ist’s vorbei, nun hab’ ich
ausgetrauert;
Ich fühl’s in mir wie junger
Knospen Schwellen,
Ich hör’ es rieseln wie
befreite Quellen,
Ich bebe leis’, vom
Frühlingshauch durchschauert.
Nun sei getrost und hoffe,
mein Gemüte!
Ein göttlich Ungewitter – und
es springen
Die Knospen auf, und alles
steht in Blüte.
Von allen Zweigen wird Gesang
erklingen;
Und was so lang in dir
verborgen glühte,
Aus Flammenliedern wird’s gen
Himmel singen.
O böse Zeit! Du hängst mit
Zentnerschwere,
Mich lähmend, fest an meiner
Seele Schwingen,
Den höchsten Flug zuletzt
hinabzuzwingen,
Mit allen Kräften wie ich auch
mich wehre.
Verworren und entzweit in That
und Lehre,
Mit Dünkel groß in tausend
kleinen Dingen,
Dich selbst verzehrend in
vergebnem Ringen –
O böse Zeit! Du drückst mit
Zentnerschwere!
Zeig mir, o Gott, die heil’ge
Zufluchtstätte
Im stillsten, weltentleg’nen
Felsenthale,
Daß ich dein Bild in meiner
Seele rette!
Aufjauchzend rauscht’ ich dort
im Morgenstrahle,
Mit jungen Adlern fliegend um
die Wette,
Der Sonne zu, empor zum
Ideale.
Wohlauf, ihr Ritter all’ vom
heil’gen Geiste!
Zum Kampfe für der Menschheit
große Sache!
Gerüstet seid und treulich
haltet Wache,
Daß nicht der Feind sich
täglich mehr erdreiste!
Die Hölle lacht; die alte
Schlange kreißte!
Im Urschlamm liegt der junggeborne
Drache,
Die ganze Welt verschlingen
möcht’ sein Rache,
Und Erz- und Todfeind ist er
allem Geiste!
Der alten Lüge neuer
Wiederkäuer,
Von Unsinn und Vernunft
erzeugter Zwitter,
Von Wissensdurst geblähtes
Ungeheuer –
Vertilgt das Vieh, ihr heil’gen
Geistesritter!
Vergebt’s mit Gift! Bewerft’s
mit fressend Feuer!
Mit scharfen Schwertern
schlagt’s in tausend Splitter!
Verrauscht ist allgemach des
Tages Toben,
Und stiller wird es in des
Herzens Zelle;
Gelind und ruhig fließt des
Blutes Welle,
Und träumerisch entschwebt der
Blick nach oben.
Geheimnisstrahlend glänzt es
wieder droben
Und strömt herab aus goldner
Munderquelle;
Aufzuckt im Busen ahnungsvolle
Helle,
Er fühlt sich magisch mit dem
All verwoben:
Die Nacht erklingt vom
Liebeslied der Sterne,
Es lockt hinauf mit
zauberischen Tönen,
Zurück zur Heimat in des
Himmels Ferne.
Die Seele kann sich nicht
hierher gewöhnen,
Hinweg von dieser Erde strebt
sie gerne,
Und läßt der Sehnsucht Echo
widertönen.
Du lächelst, Herr, dem
knabenhaften Zorne,
Der nicht begreift in seines
Sinns Verblendung,
Daß du im Gleichmut göttlicher
Vollendung
Die Rose nur erschufst mitsamt
dem Dorne.
So blickst du ruhig auch auf
das verworr’ne
Getriebe, gönnend ihm die
Allentfaltung;
Die Welt bedarf der Kräfte
Kampf und Spaltung;
Das Böse dient dem Guten nur
zum Sporne.
Noch stets ging Schlechtes
durch sich selbst zu Grunde,
Weil’s Trug und Blendwerk,
nichtig, hohl im Innern;
Nur Gutes dauert, weil’s mit
dir im Bunde.
Längst ist der Sieg auf
immerdar entschieden.
Der Regenbogen glänzt, mich zu
erinnern:
Versöhnung ist in dir und
ew’ger Frieden!
Still sinnend schreit’ ich
unter Blütenbäumen.
Wie süß betäubend weht der Duft
vom Flieder!
Wie herzerfreuend klingen
Frühlingslieder!
Die Seele schwärmt und
schwelgt in Hoffnungsträumen.
Da ist es mir, es schallt aus
Himmelsräumen
Wie zürnend eine Stimme zu mir
nieder:
Erwache Träumer, rüste deine
Glieder!
Die Tuba nimm, den Rappen laß
dir zäumen!
Ein Herold sollst du sein
glücksel’ger Zeiten,
Wo Haupt und Herz sih wiederum
versöhnen
In freier Menschen Brust und
nicht mehr streiten!
Zag nicht! Ich geb’ dir Kraft,
dich zu entwöhnen
Von allem Niedrigen; ich will
dich leiten.
Du sollst viel Edeln durch die
Seele dröhnen.
Wohl hab’ ich an das Schicksal
manche Bitte,
Die ich von Herzen gern
erfüllet sähe,
Doch eines ist’s, was ich
zumeist erflehe
Und, läg’s bei mir, um jeden
Preis erstritte:
Daß ich dereinst in großen
Kampfes Mitte,
Entscheidend für der
Menschheit Wohl und Wehe,
Ein Rittersmann im Dienst der
Freiheit stehe
Und, wenn ich’s wert bin, auch
den Tod erlitte!
O höchste Himmelsgunst, das
eigne Leben
Als Trauerspiel erhaben zu
beschließen!
Der Held erliegt, doch Sieger
bleibt sein Streben.
Aus Blut und Thränen einer
Welt entsprießen
Des neuen Geistes
hoffnungsvolle Reben,
Daß Enkel einst bei goldnem
Wein genießen.
Verirrt in Nacht und Wüste pfadlos
schreitend,
Am Himmel sah ich plötzlich
mir erscheinen,
Klar eine Stadt, gebaut aus
Edelsteinen,
Darüber Palmen hoch die Fächer
breitend.
Um ewige Bronnen leicht im
Mondlicht schreitend,
Lustwandelten viel selige
Gestalten;
Gewande glänzten, und Gesänge
hallten,
Sanft durch die Nacht mit
Harfenklängen gleitend.
Hinauf noch schaut’ und
horcht’ ich ohne Regung,
Da schon in Nacht das Bild
zurückgeschwunden;
In mir war unaussprechliche
Bewegung.
Traumwandelnd hab’ ich so den
Pfad gefunden,
Von Himmelsmelodien
nachgezogen,
Die sanft-allmächtig mir das
Herz durchwogen.